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Sie hat noch mehr als einen Koffer in Regensburg stehen. Es sind gleich mehrere Kulturkisten, Schatullen und Behältnisse in die Alexandra Karabelas greifen kann, wenn sie immer wieder in die Oberpfalz zurückkommt. Vor einigen Jahren ist die Choreografin und Tanztheoretikerin beruflich bedingt an den Neckar nach Heidelberg gezogen. Ihre eigenen Projekten und künstlerischen Vorhaben verwirklicht sie aber nach wie vor am liebsten an der Donau. Hier ist sie eingebunden in die von ihr mitbegründete tanzstelle R, ein Zusammenschluss freier Tanzender, Choreografen und Pädagogen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, zeitgenössischen Tanz, Performance und tänzerische Bildung in allen Bevölkerungsgruppen und Altersstufen zu fördern. Dieses aktive Netzwerk hat mit dem seit zwölf Jahren stattfindenden „Schleudertraum“ ein eigenes Festival, das Karabelas als künstlerische Leiterin wesentlich mitgeprägt hat. Vor vier Jahren ist mit „2BC“, der Bayerischen Biennale Choreografie, ein weiteres Projekt dazu gekommen, das eine starke Ausstrahlung entwickelt hat.

Als eines ihrer Herzensangelegenheiten legt Karabelas dieses Forum heuer mit der 3. Ausgabe von 2BC in erweiterter Form auf. Zwischen 19. und 21. Mai 2017 denken Choreografen und Tänzer diesmal aus ganz Deutschland über aktuelle Erweiterungen choreografischer Arbeit nach. Sie tun das aber nicht nur, indem sie im Degginger mit aufgestützten Ellbogen und zerfurchter Stirn in der Runde sitzen und kluge Ideen wälzen. Erstmals sind Zuschauer erwünscht und sogar eingeladen mitzumachen, wenn Symposiumsteilnehmer ihre Ideen und Arbeitsweisen ganz praktisch in Workshops vorstellen. So erarbeitet die Heidelberger Tanz- und Bewegungspädagogin Catherine Guerin am ersten Abend (19. Mai) mit Leuten, die Lust an Bewegung haben, eine „stille, spannungsvolle Topografie menschlicher Beziehungen im Raum“, wie es in der Beschreibung heißt. Auch an anderen Workshops können sich Zuschauer und tänzerische Laien aktiv teilnehmen. Wer daran Interesse hat, wird um eine formlose Voranmeldung per Mail – buerokarabelas@gmail.com – gebeten. Eine Teilnahme ist aber auch noch kurzfristig möglich. Kurze Vorträge zu Themen wie „Choreografie und soziale Praxis“ oder „Über die Brücke. Vom Tanztheater zur Performancekunst“ wechseln während des Symposiums jeweils mit praktischer Tanzarbeit ab. Das läuft über die gesamten zwei Tage mit interessanten Tanzleuten, wie dem Berliner Duo „Wilhelm Groener“, Ben J. Riepe aus Düsseldorf oder Stefan Dreher aus München. Karabelas geht es bei dieser Biennale mit dem Titel „Dance ends, Performance starts?“ um nichts weniger als die Frage „Wie sieht die Choreografie der Zukunft aus?“

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Ihre eigene Antwort darauf liefert die umtriebige Künstlerin wenige Tage später, am Freitag, 26. und 27. Mai (20 Uhr), mit der Premiere ihres neuen Solo „Du in mir“ in der Alten Mälzerei. Choreografiert hat Karabelas dieses ruhige, intime Kammerspiel für den Passauer Andreas Schlegl und die Performern Katrin Hofreiter. Der Chemieingenieur hat die Tanztage Passau ins Leben gerufen und tanzt schon seit frühester Jugend, ohne je eine Ausbildung genossen zu haben. „Er ist wahnsinnig intensiv und hat eine ganz eigene Sprache entwickelt“, begeistert sich die Ex- und Noch-Regensburgerin über den tanzbegeisterten Ostbayern, der auch altersmäßig gewohnte Vorstellungen außer Kraft setzt. Vor kurzem hat Karabelas mit dem „Pupils Dance Project“, das sie im Auftrag der Chorphilharmonie Regensburg über Beethovens „Neunte“ entwickelt hat, im Velodrom einen sensationellen Premierenerfolg erlebt. Zudem war sie viele Jahre Pressereferentin bei Regina Hellwig-Schmidts donumenta und zählt zu den Geburtshelferinnen des Danube Art Lab. Das Herzstück dieses künstlerischen Projektes, das internationale Residenzprogramm AiR, gehört heuer zu den herausragenden künstlerischen Jahresevents und wird im Sommer in der Akademie für Gestaltung realisiert. Für ihre choreografische Produktion „Hungry Butterflies 4 – Pictures“ wurde die 44-Jährige Kunstbewegerin 2014 mit dem Kunstpreis Tanz der Regensburger Kulturstiftung der Rewag ausgezeichnet.

Text und Fotos: Michael Scheiner, erschienen in der Mittelbayerischen Zeitung am 8. Mai 2017.